(S.115) »He, was ist denn da los? Das sind Die 3 Tornados.« Berliner Frontstadtkabarett in der Holledau

in: Dietmar Roberg, Theater muß wie Fußball sein, Freie Theatergruppen -
eine Reise übers Land, Berlin 1981, S. 115-123 (Rotbuch)

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Kaum bin ich von der Autobahn runter und ein Stück in die Landschaft gefahren, wird es schlagartig dunkler und kälter, zumindest kommt es mir so vor. Wie riesige Igel drängen die schwarzen Hügelkuppen voller Hopfenstangen rechts und links immer näher an die Straße. In ihren Stacheln haben sich Nebelfetzen verfangen, die sich allmählich ausbreiten und dichter werden. Ich bin froh, daß ich mir das alles aus dem Autofenster angucken kann und nicht mehr mit dem Motorrad unterwegs bin. Kurz vor 8 Uhr komme ich in Pfaffenhofen auf dem Marktplatz an, der wie ausgestorben daliegt.

Auf der ersten Reise war ich noch mit der Illusion über Land gefahren, Scenetheater mal vor ganz anderem, vor ländlichem oder kleinstädtischem Publikum zu erleben, und ich stellte mir das (S.116) ganz spannend und exotisch vor. Inzwischen weiß ich: eine Gruppe wie Die 3 Tornados könnte ich bis tief in den Bayerischen Wald verfolgen: Glasbläser, Holzknechte oder Bauern würde ich dort im Publikum trotzdem nicht finden, mit Sicherheit aber alle, verstreut in der Einöde lebenden Landfreaks auf einem Haufen. So ist es auch in Pfaffenhofen. Der kleine Theatersaal mit Guckkastenbühne im Haus der Begegnung ist brechend voll und als ich die Tür aufmachen will, purzeln mir die Freaks, Oberschüler und Lehrlinge regelrecht entgegen. Sie sitzen und stehen in den Gängen und bis zur Bühnenrampe. Ich dränge mich auch noch dazwischen und mache die Bekanntschaft mit dem örtlichen »Initiativtypen«, wie er sich selber nennt, ein l8jähriger Siemenslehrling in Lederjacke, Schlapphut, Cowboystiefeln und Sonnenbrille, der in Pfaffenhofen was »aufzureißen versucht« und auch Die 3 Tornados eingeladen hat. Er jammert über die Schwierigkeiten, auf die er dabei stößt, über den Druck von oben, wenn man was in Bewegung setzen will. Er betätigt sich auch selber als Regisseur - wie er verschämt zugibt - für Märchenstücke. Schneewittchen und die sieben Zwerge war sein letztes Werk. Auftragsarbeit für die Gemeinde. Dafür darf er dann schon mal ein Programm seiner Wahl zusammenstellen und nach Pfaffenhofen ins Haus der Begegnung einladen. Von den Freien Gruppen hat ihn bisher Schroeders Roadshow am meisten beeindruckt: »Lauter Wahnsinnige.« Er hat sie im Zirkus Gammelsdorf bei Landshut gesehen, einem alternativen Kulturgasthaus auf dem Land. Von dem schwärmt er auch: »Da gibt's Filme zu sehen, die kriegt man nicht mal in der Stadt zu sehen.« Er zeigt mir ein paar ältere Zuschauer, Pfaffenhofener Bürger: »Das sind Geschäftsleute von hier. Die sind bloß da, um rumzuschnüffeln. Damit sie mich morgen beim Gemeinderat anschwärzen können, was ich da wieder nach Pfaffenhofen gebracht habe.«

Ich besuche Die 3 Tornados hinter der Bühne. Sie haben die Vorbereitungen für ihren Auftritt schon abgeschlossen, die Requisiten liegen in penibler Ordnung hinter dem rückwärtigen Vorhang bereit. Sie sitzen still in der Garderobe, direkt neben der Bühne im Freakkostüm und mit leichtem Lampenfieber. Hans dudelt auf seiner Ziehharmonika leise vor sich hin, Günther betrachtet sich im Spiegel und schaut ab und zu durch das Guckloch in den Zuschauerraum, und Arnulf raucht eine letzte Zigarette. Ich verfolge den Beginn der Show von der Seitenbühne aus: Die Tornados stellen sich hinter dem Vorhang an der Bühnenrückwand auf, zählen leise den Takt vor, stampfen dann dreimal fest mit dem Fuß auf dem Boden auf und lassen ihren (S.117) Einleitungsspruch los: »He, was ist denn da los? Das sind Die 3 Tornados!« (mit sound) Dann stürmen sie raus auf die offene Bühne, begeistert begrüßt vom Scenepublikum der alternativen Diaspora, das gekommen ist, um sich zu wärmen und moralisch aufzurichten.

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Theater-Bäcker für die Scene

Die 3 Tornados, das wohl bekannteste Scenekabarett neben dem Karl Napps Chaos Theater, ist 1976 in Berlin entstanden anläßlich eines Streiks an der Uni, als die K-Gruppenführung von der Spontiführung abgelöst wurde. Erstmals seit der abnippelnden 68er Studentenbewegung mit ihren immer verbohrter und humorloser werdenden, ideologischen Richtungskämpfen setzte dieser Wechsel wieder Spaß und Phantasie bei den Studenten frei. Den Theaterwissenschaftsstudenten Günther Thews törnte das neue Klima an, mit kleinen Szenen auf Streikversammlungen einzugreifen, sie mit solidarischer, witziger Kritik an der Linken aufzulockern. »Die politische Szenerie kriegte eine dermaßene Dynamik, daß jeder einfach Lust hatte, was zu machen, und wenn er nur Kuchen gebacken hat für irgendeine Streikgruppe.« Nach einigen Einzelauftritten stieß Arnulf Rading, ebenfalls Student der Theaterwissenschaften, zu ihm und kurz darauf der Philosophiestudent Hans-Jochen Krank mit seiner Ziehharmonika - und fertig waren Die 3 Tornados. Das Gründungsjahr der Tornados markiert in etwa auch den Beginn des Booms an Freien Theatergruppen. »1976«, so Günther Thews, »beginnen sozusagen die linken Gründerjahre. An diesem Wendepunkt kriegen die Landkommunen, die ganze Brokdorfbewegung, die alternativen Stadtzeitungen und die Bürgerinitiativen erst so einen richtigen Schub.« Von diesem Schub wurden auch Die 3 Tornados in eine Umlaufbahn der Spitzenverdiener der Freien Theatergruppen getragen (was allerdings, gemessen an der finanziellen Misere der Freien Theatergruppen auf der einen Seite und den Summen, die sonst im Showgeschäft verdient werden auf der anderen Seite, nichts weiter besagen will, als daß sie ohne Subventionen und einigermaßen gut davon leben können). Die Tornados spielten am 1. Mai in Brokdorf, tingelten durch Kneipen und »dann nahm das solche Ausmaße an, daß wir jedes Wochenende unterwegs waren. Wir bekamen von allen Seiten Einladungen.«

Günther Thews hatte inzwischen sein Studium abgeschlossen und arbeitete in Hamburg. »Wir haben uns immer wieder getroffen bei (S.118) Hannover-Garbsen auf der Autobahn und sind auf Tournee, und am Montag bin ich wieder zur Arbeit. Bis wir uns schließlich entschlossen haben, das beruflich zu machen.« Für Arnulf und die anderen war das keine schwere Entscheidung. »Wir hatten unheimlichen Spaß daran, in die linke Scene so selbstkritisch und mit Lachen einzugreifen. Das gab's ja damals nicht. Und dann hatte das ja auch Zukunft für uns. Die Briefkästen waren voll von Angeboten. Wir haben uns gesagt, arbeiten wir das erstmal ab. Und«, so fährt Günther fort, »bevor wir uns ausbeuten lassen, beuten wir uns lieber selber aus.« Der Briefkasten ist bis heute nicht leer geworden.

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»Victoria, der Sieg ist nah, die Freaks, die singen Tralala«

Viel fehlt nicht mehr und sie singen wirklich mit. Die Luft im kleinen Saal ist heiß und zum Schneiden. Den Tornados rinnt der Schweiß nur so runter. Ohne Atempause und wie mir auffällt, (S.119) immer vorn an der Bühnenrampe, massieren und kneten sie von allen Seiten mit Liedern und kleinen Sketchen das alternative Selbstbewußtsein ihres Publikums, bringen es in Hochstimmung und Euphorie. Einer der Höhepunkte ist ihr Hausbesetzer-Lied auf die Melodie von »Veronika, der Lenz ist da«.

Einer fragt der andere spricht
solln wir oder solln wir nicht
lala lalala
illegal scheißegal
denn wir haben keine Wahlala lalalala
Viktoria, der Sieg ist nah
die Freaks, die singen tralala
die ganze Scene ist wie verhext
schon wieder ist ein Haus besetzt.

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(Sprechgesang über der Melodie)
Und wenn wir es dann geschafft haben
wenn wir im Sommer in unserem besetzten Garten vor'm besetzten Haus zusammensitzen
die Kinder spielen Demo, und Werner und Iris
malen gerade noch 'n Regenbogen über das
"Wir bleiben drin!" an der Fassade,
und wenn dann der Briefträger säckeweise
die Solidaritätspost aus ganz Deutschland bringt,
dann schnappt ihr euch ein paar Bongos und singt: Viktoria, der Sieg ist da usw.

Voller Selbstironie, doch auch selbstbewußt betrachten die Tornados die Funktion ihres Theaters für die Scene: »Unser Professor (S.220) Arno Paul vom Theaterwissenschaftlichen Institut hat mal erforscht, daß wir für die Linken das sind, was der >Förster vom Silberwald< oder die Heidi Kabel vom Ohnsorgtheater für das bürgerliche Publikum sind: Wir bringen ja das Lachen auf der Bühne hervor, weil sich die Leute in ihrer eigenen Realität wiederfinden, dann löst es Schadenfreude aus, die gleiche Funktion wie beim Ohnsorgtheater auch. Und was im Kopf passiert ist, daß wir a) bestärken und b) manchmal schon bekannte politische Inhalte und Themen aus einer neuen Sicht zeigen. Manchmal haben wir eben so bizarre Sichtweisen, z. B. aus der Perspektive des Jahres 2027 oder aus der Sicht von Oberlehrer Lamprecht in Winsen an der Luhe. Dadurch verzerren wir die Wirklichkeit und lassen den Zuschauer seine eigene Wirklichkeit neu erkennen. Ansonsten können wir als Katalysator nur verstärken, was die Leute im Bauch leise denken. Bei uns ist es klar, daß wir den Leuten nicht lang und breit erklären, daß die SPD Scheiße ist, das setzen wir einfach voraus. Und so sehen das auch unsere Zuschauer. Wir wollen auch nicht den Arbeiter ins Theater holen oder sowas. Was wir wollen, das ist der gemeinsame Spaß. Und der andere Effekt ist der der Solidarisierung. Daß nämlich Leute, die in irgendeiner Kleinstadt oder auf dem Land rumbrokeln und gerade ihre Stadtzeitung zusammenkriegen, 'ne Demo aber überhaupt nicht auf die Beine bringen und mit irrsinnigen Widerständen zu kämpfen haben, daß die dann abends in ihre Kneipe oder in ihr Jugendzentrurn gehen und sich da mit 300 Leuten, die aus der ganzen Umgebung zusammengekommen sind, gemeinsam über ihre Stärke freuen können. Und das darf man nicht unterschätzen.«

Günther schließt das Thema mit einem typisch bizarren Tornado-Einfall ab: »So haben die Fronttheater auch gearbeitet, damit wurden Weltkriege geführt. Warum sollen wir nicht mit den gleichen Mitteln, womit Kaiser Wilhelm und Hitler den halben Erdball niedergelegt haben, eine bürgerliche Regierung ins Wanken bringen.«

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Die Freude, Menschen spielen zu sehen

Arnulf tritt auf als Sponti vom Aktionskomitee »Mollis statt Wüste«. Eine tolle Nummer, charakteristisch für den Arbeitsstil der Tornados und für das Verhältnis zu ihrem Publikum:

»Ick bin der Zorro vom Komitee >Mollis statt Wüste<. Ick hab jetz (S.121) schon die Schnauze total voll. Ick will jetz und hier wat selbstbestimmtet machen. Da jibt et unheimlich ville Fraun und Typen, di dat och wolln. Jenau deswejen ham wir vom Aktionskomitee jesacht: wir machen jetz mal 'ne Aktion, wa. Hab' ich 'nen Vorschlach jemacht. Wir suchen uns jetz een Flecken Land, wo wa dat machn könn, wat wir wohn - Zack! wo wa 'n juten Joint durchziehn könn - woaw! Da jehn wa alle hin und besetzen dat - wumm! und denn machn wa 'ne freie Freakrepublik. Denn ham wa det diskutiert und ham uns für de Aktion Westberlin ausgekieckt. Is ja klar, wa: auf die Dauer hilft nur Power!! - Na wat ham wa jemacht? ham wa vorjestern 'nen Sternmarsch nach Westberlin gemacht, wa, wat soll ick sagen, alle Linken, die uff de Bundesrepublik verstreut sind, wie de Sommersprossen uff'm Arsch von Heino, sind alle aus ihre Löcher vorjekrochen und uff eenmal standen uff'm Kudamm zweemilljonen Linke. Dat hat natürlich wahnsinnich jefetzt. Und wie de Senatswichser dat mitjekriecht hatten, wa, diese Aftershave-Typen, ääh! da ham die sich gleich selber evakuiert. Nur Frau Stobbe nich, wa, die is überjeloofen. Und wir jleich rüber zum Rundfünk und ham de Freie Freakrepublik ausjerufen. Denn ham wa den ersten Beschluß durchjejeben und ham jesacht, Autofahren is nich mehr, dat stinkt, wa, da machen wir alles mit'n Rad. Und wat is mit arbeiten? Arbeiten hat keiner Bock drauf! Wovon leben wa? Wa leben davon, daß wa de Autos und de Farbfernseha an de DDR verkoofen. (Frenetischer Beifall) Cool bleiben, Leute, cool bleiben, wa! Und weil's noch'n paar Probleme jibt beim Umstellen auf Anarchie, wa, brauchen wa noch'n paar Leute. Klar, dat det von Pfaffenhofen nach Berlin 'n bischen weit is. Und deshalb finden wir dat dufte, wenn ihr hier ooch sowat macht. Tschüß!«

Ein Kapitel für sich ist das Verhältnis des Scenepublikums zu »seinen« Theatergruppen. Dankbar frißt es, was auf den Tisch kommt, und da ist viel Gestriges, Ranziges und Altbackenes dabei, aber selten mäkelt mal einer. Die Auseinandersetzung über Inhalte und Mittel, die unter den Freien Gruppen nicht stattfindet, findet auch zwischen Freien Gruppen und Publikum nicht statt.

Eine Frage, die mich schon lange beschäftigt: Ist das Publikum anspruchsloser, unsensibler geworden oder wird das Verlangen nach feineren Genüssen erst mal zurückgestellt, bis der größte Hunger befriedigt ist nach dem Motto: Wenn man Hunger hat, schmeckt alles.

Arnulf: »Das ist genau das gleiche wie mit den Leuten, die sagen, daß sie nicht mehr dieses scheiß Plastikbrot essen, das es immer in (S.222) Tüten zu kaufen gibt, sondern zu ihrer alternativen Bäckerei gehen. Und da ist auch erst mal 2 Jahre lang das Brot schlecht, das schmeckt auch manchmal nicht so gut. Aber aus 'ner anderen Notwendigkeit heraus - da steht nicht nur die Frage des Geschmacks im Vordergrund - kaufst du das trotzdem und du gestehst auch den Leuten, die das machen, erstmal zu, daß sie sich entwickeln. Und das ist beim Theater ein bißchen auch so der Fall.

Und es ist auch klar, daß die antiautoritäre Phase vorbei ist. Vor zehn Jahren wäre vielleicht nach dem ersten Lied einer aufgesprungen und hätte geschrien: Das ist doch totaler Scheiß was ihr da vorne macht. Andererseits kann man auch nicht sagen, daß die Leute alles kritiklos runterschlucken. Du gehst nicht dreimal zu einer Gruppe, die dich nicht hochreißt. Die wählen halt ganz marktstrategisch aus.«

Günther: »Das Scenepublikum, die kommen ja nicht alle vom bürgerlichen Theater, die haben ja nicht alle vorher ein Abonnement im Stadttheater gehabt. Die gehen noch alle mit 'ner naiven Freude da ran (das finde ich gar nicht schlecht), und die sind eben mit dem Angebot der bürgerlichen Kultur, Fernsehen, Disco, Kino usw., nicht zufrieden. Und ich finde gut, gerade wenn man jetzt vom Kabelfernsehen spricht, daß die Bedeutung so kleiner Gruppen wächst, egal wie qualitativ gut oder schlecht die sind, und daß die Freude, Menschen spielen zu sehen, größer wird.

Früher das Publikum, das waren hauptsächlich Studenten. Die hatten ihr politisches Bewußtsein über Marx und Rote Zellen anstudiert und mußten sich beweisen, indem sie sofort >Debatte< gerufen haben. Heute die Leute waren nicht in Roten Zellen und haben oft auch nicht Marx gelesen. Die haben ihre politische Potenz über Hausbesetzungen, Aktionen, Bürgerinitiativen entwickelt und das sind auch nicht alles Studenten, sondern das geht durch alle Schichten.«

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Volkstheater - das ist nicht unser Ministerium

Große Gedanken über die eigenen theatralischen Mittel haben sich die Tornados bis jetzt noch nicht gemacht. In ihrer Gründerzeit wurden Dramaturgie und szenischer Aufwand von den Anweisungen der Streikversammlung bestimmt: »Ihr habt 5 Minuten Zeit - bringt was.« Nach diesem Prinzip verfertigen sie auch heute noch ihre Sketche und Lieder. Sie arbeiten mit dem, was jeder normale Mensch an Grimassen vor dem Spiegel selber (S.123) herstellen kann. Sie wollen sich auch nicht durch aufwendige Mittel und besondere Fertigkeiten zu sehr von ihrem Publikum als etwas Besonderes abheben. Die Transparenz der Mittel und Mobilität (darum Akkordeon und nicht Klavier) gehören zu ihrer Konzept. »Wir sind auch bisher mit unserem Repertoire an Mitteln noch an keine Grenzen gestoßen.«

Ob sie schon mal überlegt haben, ein Theater zu machen, das über den Rahmen der Scene hinaus auch andere Publikumsschichten anspricht - in Richtung Volkstheater? »Wir machen kein Theater fürs ganze Volk. Wir verstehen uns als ein Theater für 'ne bestimmte politische Bewegung, und in dem Rahmen spielen wir. Die Frage nach dem Volkstheater, die ist schon gut, aber das ist nicht unsere Abteilung, das ist ein anderes Ministerium.«

Volkstheateransätze für sich sehen sie noch am ehesten in Tempodrom - »an dem wir auch gerne mitdenken«. »Die Idee ist ja, dort eine Mischform anzubieten von Zirkus, Theater und Musik, die sowohl von den auftretenden Künstlern als auch von dem Publikum, das angesprochen werden soll, über den Rahmen der alternativen und linken Scene hinausgreift. Das könnte so eine neue Art Volkstheater werden.«

Die Aufführung in Pfaffenhofen ist ein voller Erfolg. Die 3 Tornados packen die Requisiten in ihren Karavan vor dem Haus der Begegnung und wir fahren mit dem örtlichen Initiativtypen in die einzige noch offene Dorfkneipe, die Disco, ein umgebauter Pferdestall, wo wir uns bei der Unterhaltung so anschreien müssen, daß wir nach kurzer Zeit heiser sind und Arnulf, Günther und Hans sich schließlich müde und geschafft zu ihren Hotelbetten aufmachen - »morgen geht's weiter nach Passau ins Scharfrichterhaus in der Milchgasse« -, während ich durch die Hopfenstangenberge zurück nach München fahre.

P.S. Ich soll nicht vergessen auszurichten, daß das Flugzeug vom Hans Apel nach den 3 Tornados benannt ist und nicht umgekehrt. »Der Hans Apel hat nämlich sehr richtig erkannt, daß wir eine Wehrkampfwaffe sind. Im übrigen sind wir der Meinung, daß drei Tornados genug sind.«

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